Was kostet gute Architektur?

Gute Software-Architektur ist nicht kostenlos. Sie kostet Zeit, Aufmerksamkeit und Disziplin – vor allem am Anfang.

Wer sauber trennt, wer bewusst zwischen Kern, Grenze und Peripherie unterscheidet, schreibt nicht den kürzesten Code, sondern den belastbarsten.


Warum gute Architektur sich zuerst teuer anfühlt

Am Anfang wirkt saubere Architektur oft wie ein Umweg:

  • mehr Dateien statt einer
  • mehr Ordner statt „einfach schnell“
  • mehr Nachdenken, bevor man tippt
  • weniger sichtbarer Fortschritt

Für ein einmaliges Skript wäre das Overengineering. Für ein System, das wächst, sich ändert oder integriert wird, ist es eine Investition.

Architekturprinzip: stabiler Kern, strenge Grenze, volatile Ränder
@ChatGPT

1. Der stabile Kern

Im Kern eines Systems lebt die Wahrheit der Domäne:

  • wohldefinierte Objekte
  • klare Invarianten
  • konsistentes Verhalten
  • keine Abhängigkeit von Technikdetails

Hier gelten strenge OOP-Regeln. Hier darf es keine JSON-Strukturen, HTTP-Fehler oder API-Eigenheiten geben.

Der Kern ist langweilig – und genau das ist seine Stärke.

2. Die strenge Grenze

Zwischen Kern und Außenwelt braucht es eine harte Grenze:

  • Facades
  • Use-Cases
  • Anti-Corruption Layer

An dieser Stelle passiert die Übersetzung: von dict zu Objekt, von chaotischen Daten zu stabiler Domäne.

Diese Grenze ist bewusst streng. Alles, was sie überschreitet, wird normalisiert oder abgewiesen.

3. Die volatilen Ränder

Außen ist die Realität:

  • APIs ändern sich
  • Daten fehlen oder kommen doppelt
  • Netzwerke sind langsam oder instabil
  • Drittsysteme halten sich nicht an Verträge

Beispiele kennt jeder, der integriert:

  • Webhooks werden mehrfach gesendet (Withings lässt grüßen)
  • Events kommen „at least once“
  • Felder tauchen plötzlich nicht mehr auf

Diese Volatilität ist normal. Aber sie gehört nicht in den Kern, sondern in Adapter, Provider und Decorators.

Design Patterns als Schutzmechanismen

Design Patterns sind kein Selbstzweck. Sie sind Werkzeuge zur Schadensbegrenzung:

  • Factory schützt vor harter Kopplung
  • Facade schützt den Kern vor externer Komplexität
  • Decorator schützt vor Feature-Wildwuchs
  • Fallback / Retry / Cache schützen vor instabilen Rändern
  • MVC schützt vor Verantwortungschaos

Man bezahlt mit Abstraktion – und erhält Wartbarkeit, Austauschbarkeit und Ruhe.

Die versteckten Einsparungen

Der eigentliche Gewinn zeigt sich nicht heute, sondern später:

  • Änderungen bleiben lokal
  • neue Provider ersetzen alte, ohne das System zu zerlegen
  • Features fügen sich ein, statt Seiteneffekte zu erzeugen
  • Tests werden möglich, ohne Infrastruktur mitzuschleppen
  • Debugging passiert im Code – nicht nachts auf dem Server

Gute Architektur spart keine Zeit beim Schreiben. Sie spart Zeit beim Verstehen, Erweitern und Reparieren.

Der mentale Effekt

Ein oft unterschätzter Aspekt: Struktur schafft Ruhe.

Wenn klar ist, was Controller dürfen, was Services dürfen, was der Kern darf – und was ausdrücklich draußen bleiben muss – dann denkt man nicht mehr über den Ort nach, sondern über den Inhalt.

Das reduziert kognitive Last – und Fehler.

Fazit

Gute Architektur kostet am Anfang mehr. Aber sie verhindert, dass man später:

  • aus Angst vor Änderungen nichts mehr anfasst
  • Hotfixes im laufenden Betrieb baut
  • Fehler jagt, die überall und nirgendwo sind
  • Systeme pflegt, die man selbst nicht mehr versteht

Schlechte Architektur ist billig – bis man sie ändern muss.

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